Mit  dem  Wohnmobil  rund  um  die  Insel


Sheilinkas dritte Reise nach Island.

Nachdem ich die beiden ersten Reisen auf Island mit dem PKW gemacht habe, stand diesmal am Flughafen in Keflavik ein Wohnmobil für Manu und mich bereit.

Im Nachhinein stellte sich dies als die beste Reiseart für uns heraus. Zeitlich ist man ungezwungen, braucht keine vorreservierten Unterkünfte anzusteuern, hat ständig Küche, Bett und Toilette mit dabei und übernachtet dort wo es einem am besten gefällt. Einzig am Schluss muss das gemietete Wohnmobil pünktlich beim Vermieter abgegeben werden.


Das WOMO, ein Sunlight haben wir im Vorfeld bei McRent in Island reserviert. Im Vergleich zur Schweiz sind die Mietpreise recht hoch. So kostet ein einfaches Fahrzeug für 2 Personen in der Hauptsaison CHF 380.00 und ein komfortableres für 4 Personen CHF 460.00 pro Tag, dazu kommen noch diverse Nebenkosten. Es ist jedoch gut zu wissen: sobald man die Ringstrasse verlässt, sind die Belastungen für die Fahrzeuge teilweise enorm, ein Ersatzrad wird sicherheitshalber mitgegeben.

 


Unweit vom Flughafen Richtung Reykjavik ist der Schriftzug

"REYKJANESBAER"

kaum zu übersehen. Der kleine Fussmarsch wird mit den grandiosen Steinformationen entschädigt.

 


Die Lavahöhle Raufarhólshellir liegt nördlich von Þorlákshöfn, fast an der Südküste Islands. Sie ist über 1350 m lang und liegt zum Teil unter der Straße 39 dem Þrengslavegur, dem kürzesten Weg nach Reykjavik. Mit der nötigen Ausrüstung und Vorsicht, kann die Höhle auf eigene Faust erforscht werden. Unmittelbar beim Eingang gibt es einen Parkplatz an der S39. An einigen Stellen ist die Höhle eingebrochen und gibt Sicht nach aussen.

Wer in Island unterwegs ist, soll sich das Symbol mit vier Kreisen in den Ecken merken, es sind Hinweise auf Sehenswürdigkeiten.

 


Bei der Weiterfahrt auf der Ringstrasse Richtung Süden, Treffen wir auf den Seljalandsfoss (foss steht für Wasserfall). Mit seinen 66 Meter Tiefe löst er bei jedem Island-Erstling  einen Wowwwww-Effekt aus. Wer hier nicht Wasserscheu ist, kann den Wasserfall in einem Spaziergang umrunden. Rund 100 Meter weiter hinten steht ein kleiner Camping für eine Übernachtung im Getöse des Wassers bereit.

 


Bereits 30 Km nach dem Seljalandsfoss kommt der Ort Skógar mit seinem Highlight dem Skógafoss mit einer Breite von 25 und einer Tiefe von 60 Meter. In Island ist es üblich, dass sich bei den meisten sehenswerten Orten eine Toilette befindet und die Möglichkeit zu Campieren steht hier ebenfalls zur Verfügung. 

 



Nach der Besichtigung vom Skógafoss sollte noch dieser Wasserfall besucht werden.

Dazu fährt man im kleinen Ort Skógar gegen Osten bis zum Skógar-Museum. Von dort gibt es einen kleinen Pfad der weiter Richtung Osten bis zum Fluss führt. Wir gehen links dem Fluss entlang und der Weg endet schliesslich bei diesem imposanten Wasserfall (der Name ist mir nicht bekannt).

Nach dem touristischen Skógafoss war hier keine Menschenseele anzutreffen. Es führt ein Trampelpfad hinter den Wasserfall und wird mit einer spektakulären Aussicht durch das Wasser belohnt.


Rund 7 km von Skógar auf der Ringstrasse führt links die Strasse 221 zum Sólheimajökull (Jökull = Gletscher) ab.

Vom Parkplatz aus gibt es einen kleineren Fussmarsch zur Gletscherzunge und dies sollte nicht versäumt werden.

Einfach grandios diese Wucht mit den Farben schwarz und weiss.



Über die S 203 erreicht man den Kirkjurgólf (Kirchenfussboden).

Es handelt sich hier um die Endstücken unterirdischer Basaltsäulen.

Die Formation liegt inmitten einer Schafweide und ist über einen Pfad zugänglich.


Dies war einst eine Brücke die durch enorme Gletscherläufe nach einem Vulkanausbruch zusammen mit einem grösseren Stück der Ringstrasse dem reissendem Wasser zum Opfer viel.


Der Svartifoss mit seinen überhängenden Basaltsäulen erreicht man zu Fuss vom Parkplatz des Vatnajökull-Visitor-Centers aus wo es auch einen Camping gibt.


Nachfolgend einige Impressionen vom Jökulsárlón und Breiðárlón, beide ein Muss und das höchste der Gefühle. Bei jeder meiner Reisen hier her, zeigen sich immer neue Formationen und je nach Lichteinwirkung das Paradies für Fotografen.

Sehr imposant ist das Beobachten der schwimmenden Eisberge.

Bei Ebbe schwimmen sie Richtung Atlantik und bei Flut kommen sie zurück in den Gletschersee.

So Stranden an der Küste entlang immer wieder riesige Eisklötze von absoluter Reinheit.


Island bietet auf der ganzen Insel eine Vielzahl von Hot-Pot's die meist kostenlos benutzt werden können. Einen der grössten ist sicher die Blaue Lagune auf der Reykjanes-Halbinsel  im Südwesten von Island, sie ist leider meist total von Touristen überlaufen und mit rund CHF 50.00 sicher kein Schnäppchen.

Da macht sowas wie hier viel mehr Freude!


Wer mit der Fähre nach Island kommt, nimmt die Smyril Line ab Dänemark und wird via Färöer-Insel hier in Seyðisfjörður sein Fuss auf die Insel setzen. Wer etwas länger Zeit hat, kommt so mit seinem eigenen WOMO auf Island.


Bei Egilsstaðir folgt man der linken Seeseite vom Lagarfljót durch für Island ungewöhnlich üppigen Wald bis nach Melar wo direkt an der Strasse geparkt werden kann.

Der Hengifoss ist mit seinen 118 Meter Fallhöhe einer der höchsten Wasserfälle der Insel. Die leuchtroten Tonstreifen verleihen ihm ein besonderes Aussehen.

Etwas weiter unten ist mit 30 Meter Höhe der Litlanesfoss der sehr schön in Basaltsäulen eingebettet ist.


Fährt man von Melar auf der S910 weiter ins Landesinnere, kommt man nach ca. 70 km zum Kárahnúkur Staudamm.

Er ist eines der umstrittensten Bauwerke der Insel. Nach einer Milliarde Euro Baukosten nahm er 2007 seinen Betrieb auf. Mit seiner Jahreslieferung von 4800 GWh zählt es zu einem der grössten Wasserkraftwerken Europas. Der Damm hat eine Länge von 700 Meter und eine Höhe von 198 Meter. Der Stausee erstreckt sich über eine Fläche von 57 km2.

Wer die Fahrt auf sich nehmen will, soll sich bewusst sein, dass die gleiche Strecke wieder zurück gefahren werden muss. Als ich beim Damm war, begegnete mir kaum ein Fahrzeug und das Handynetz ist eher schlecht. Also nur mit genügend Diesel im Tank die Tour antreten und Proviant um eine allfällige Panne durchzustehen.


Ende September haben die meisten Touristen Island wieder verlassen und es kann vorkommen, dass man einen ganzen Campingplatz für sich alleine hat.

Wer der Insel treu bleibt, sind die Rentiere die mit etwas Glück in grossen Rudeln anzutreffen sind.


Nach einer abenteuerlichen Fahrt über die S85 deren Schotterpiste für ein "anständiges" Wohnmobil an die Grenze stösst, sind wir im 400 Seelen Ort Þórshöfn angekommen. Trotz seiner beschaulichen Grösse bietet der Ort eine gute Infrastruktur wie: Hafen, Hotel, Camping, Restaurants, Bank und Post.

Landschaftlich ist es sehr reizvoll und vom Camping mit Dusche/WC gibt es einen tollen Blick über die Küste hinaus.

Der Stellplatz bezahlt man am anderen Morgen unten beim Hallenbad (Danke den ehrlichen).


Nach der Umrundung der nördlichsten Halbinsel Melrakkaslétta, war die Absicht via der S864 den Dettifoss von Osten her anzusteuern. Der Wasserfall wirkt von dieser Seite viel imposanter. Trotz warnenden Strassenschilder machten wir den Versuch, mussten jedoch nach 3 km infolge riesigen Schlaglöcher das Vorhaben abbrechen und den Weg auf der S85 fortsetzen. So werden wir dem Dettifoss in zwei-drei Tagen von der anderen Seite her einen Besuch abstatten und fahren vorerst Richtung Húsavík.


Im 2'200 Seelen-Städtchen Húsavík angekommen, fällt einem sofort das lebhafte treiben am Hafen mit seinen schönen Holzhäuser auf. Nachdem unser WOMO beim Sportplatz ein geeignetes Plätzchen für die nächste Nacht bekam, machten wir uns auf den Weg zum Hafen. Húsavík hat den Ruf als "Hauptstadt des Whale Watching Europas" und wenn wir schon hier sind, wollen wir uns die Gelegenheit nicht entgehen lassen und haben bei  North Sailing ein Ticket für den kommenden Tag besorgt. Die Wahlbeobachtungen haben bei vielen ehemaligen Wahlfänger zu einem Umdenken geführt und sie verdienen heute ihr Geld mit Beobachtungs-Touren und nicht mehr mit dem Abschlachten dieser faszinierenden Meeressäuger. Am Abend genehmigten wir uns ein feines Essen bei Gamli Baukur, einer urigen Hafenkneipe.


Auf dem Weg zum Dettifoss machten uns heftige Windböen zu schaffen. Der Wohnmobil Vermieter McRent hatte uns bereits bei der Wagenübernahme darauf aufmerksam gemacht, dass gemäss Wettervorhersagebei einer gewissen Windstärke das fahren mit dem WOMO untersagt ist. So suchten wir auf der S862  bei einem kleinen Parkplatz zwischen Felsen Unterschlupf. Da die Mietfahrzeuge keine Stützen haben, stand uns eine recht wackelige Nacht bevor was ein Durchschlafen verunmöglichte. Im nachhinein sind wir froh dass uns der Wind zur richtigen Zeit mitten in der Nacht wachgerüttelt hat, beim Blick aus dem Fenster zeigten sich Nordlichter (Aurora) vom feinsten. So schnell wie möglich Jacke an und mit Stativ und Kamera nach draussen in eine Windgeschützte Ecke. Wir hatten Glück, normalerweise sind die Nordlichter in den Wintermonaten aktiv.


Der extreme Wind begleitete uns auch am Morgen weiter zum Dettifoss, was mir ein Fotografieren schier verunmöglichte. Nach ein paar Schnappschüssen kämpften wir uns weiter am Mývatn (Mückensee) vorbei Richtung Goðafoss (Wasserfall der Götter) wo sich das Wetter so einigermassen von der ruhigen Seite zeigte.

Zum Glück war ich vor zwei Jahren östlich der Jökulsá mit fantastischem Wetter am Dettifoss. Diese Seite ist für Fotografen viel imposanter, jedoch herrschen an der S864 schlechte Strassenbedingungen, von Süden her sollte es jedoch machbar sein.

Der Dettifoss ist Europas grösster Wasserfall und ein muss bei jedem Island-Besuch! Pro Sekunde rauschen hier 200m2 Wasser 44m in die Tiefe.


Ein Abstecher nach Grenivik bietet Landschaftlich reizvolle Bilder und am Küstenabschnitt kann man mit etwas Glück von der S83 aus Wahle beobachten (Fernglas bereit halten).

Weiter geht es vorbei an Akureyri, dem ich in einem anderen Reisebericht mehr Aufmerksamkeit schenke, über Blönduós nach Hvammstangi.

Die Isländer gelten als Gastfreundlich, wollen wir hoffen dass dies auch mit dem Touristischen Boom nach der Fussball EM 2016 so bleibt. Island ist etwas besonderes, ich habe jedoch Jahr für Jahr eine Zunahme an Vermarktung der Naturschönheiten festgestellt. Dort wo früher eine staubige Parkmöglichkeit war, gibt es heute bereits asphaltierte Plätze mit Parkuhren und vielerorts werden Hotels für den Pauschaltourismus aus dem Boden gestampft. Wenn heute irgendwo ein Touri-Bus seinen Ameisen Auslauf gewährt, einfach etwas abseits 5-10 Minuten warten, viel länger dauert es nicht bis der Tross weiter fährt und die Natur wieder in Ruhe genossen werden kann.


Einer der vielen Hot-Pot der zu einem Bad im warmen Wasser einlädt.

Heisses Wasser kommt auf Island im Überschuss aus dem Boden. So werden die Strassen von Reykjavík im Winter gegen Schnee und Eis beheizt, vom System ähnlich wie bei uns eine Bodenheizung in der Wohnung.

Am nächsten Morgen nehmen wir die S68 Richtung Westfjorden die jedoch nach rund 20 km in die S59 verlassen wird. Ein ausführlicher Bericht über die Westfjorden werde ich von einer früheren Islandreise veröffentlichen.

Das nächste Etappenziel ist Stykkishólmur auf der Snæfellsnes Halbinsel.


In Stykkishólmur angekommen, zeigt sich schon von weitem die Stykkisholmskirkja mit ihrer Klais Orgel. Die Kirche ist von 1990 und die Orgel wurde 2011 von Philipp c.a. Klais aus Bonn erbaut. Die Kirche ist öffentlich zugänglich und bietet neben einem WC einen grossen Parkplatz mit toller Aussicht auf den Ort.

Von Stykkishólmur  aus führt eine Fährverbindung via Flatey zu den Westfjorden.


Weiter geht die Reise mit der Umrundung vom Snæfellsjökull und einem Abstecher zu Dritvik am westlichen Zipfel der Snæfellsnes Halbinsel. Nach dem Parken mit WC Gelegenheit, gelangt man über einen Fussweg zur grandiosen Bucht die mit den 70 jährigen Wrackteilen die unter Denkmalschutz stehen, übersäht ist. Wenn das Wetter stimmt, können hier ausgiebige Wanderungen gemacht werden.


Trotz rauen Bedingungen die das Land bietet, trifft man immer wieder auf Menschen die das unmögliche möglich machen. Dieser Amerikaner kommt aus Montana, im Winter ist er in den Rocky Mountains Ski-Guide für gut betuchte und der Rest vom Jahr ist er irgendwo mit seinem Rad unterwegs. So war er schon von der Ostsee via Schweiz zum Mittelmeer gefahren. Auf unserer Island-Reise haben wir ihn an verschiedenen Orten gesehen, auf der Fahrt oder mit seinem Micro-Zelt etwas abseits. Bis wir uns hier in Arnarstapi bei Fish&Chips gegenüber sassen. Er war vom Flughafen die Ringstrasse hoch bis in den nördlichsten Zipfel von Island gefahren und anschliessend über das Hochland wieder zurück. Für mich als Gelegenheitssportler unvorstellbar!!! Sein Rad nimmt er immer mit und nach seinen Schätzungen hat es über 100'000 km auf dem Buckel.


Mit einem kleinen Abstecher zum Golden Circle, auf den ich bei einer anderen Islandreise näher eingehen werde, möchte ich die Reise "Mit dem Wohnmobil rund um die Insel" so langsam beenden.

Das letzte Übernachtungsziel wird Garðskagi, dem äussersten Zipfel der Reykjanes - Halbinsel sein.

Garðskagi eignet sich hervorragend für die letzte Übernachtung mit dem WOMO vor der Abreise. So sind es nur etwa 20 km bis zum Flughafen aber landschaftlich geniesst man hier noch einmal Island pur. Es gibt einen einfachen Stellplatz direkt beim Leuchtturm wo auch die Platzgebühr zu bezahlen ist. Im alten Leuchtturm gibt es ein einfaches Café und als Gast kann der Turm umsonst besichtigt werden. Von dort wo früher die Leuchte war, kann heute im Glaszylinder windgeschützt das Meer beobachtet werden. Auf dem Weg zum Flughafen gibt es noch eine Tankstelle mit Waschanlage.


Es würde mich freuen, wenn dir die virtuelle Reise um Island gefallen hat und wer weis, vielleicht sehen wir uns irgendwann und irgendwo auf unserem vorwiegend schönen Planet.

Herzliche Grüsse, Sheilinka





Letzte Aktualisierung: 11.11.2021